Luppenauer Förderverein e.V.

        Zur Gründungsgeschichte des Luppenauer Förderverein e. V.

SAALE-ELSTER-AUEN-KURIER - Juni 2026 - Dr. Michael Gilluck

Der Luppenauer Förderverein e. V. feiert im Sommer sein 30-jähriges Bestehen. Das ist eine Gelegenheit zum Rückblick auf die Anfänge und zum Dank an all jene, die mit Ideen, Tatkraft und Herzblut dazu beigetragen haben, dass der Verein zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Luppenau geworden ist; Bürger, die Verantwortung übernehmen, die anpacken, ihre Sachkenntnis beisteuern, ihre Freizeit spenden und ihr Portemonnaie öffnen.



Gehen wir zurück in die neunziger Jahre. Luppenau gehörte zur am 1. Oktober 1991 gegründeten Verwaltungsgemeinschaft (Vgm) Kötzschau und hatte eine überaus engagierte Bürgermeisterin. Annemarie Lehmanns größter Wunsch war, das Dorf vor dem Aussterben zu bewahren. Löpitz z. B. hatte um die 70 Einwohner, war aber mit seinem Herrenhaus, genannt das „Löpitzer Schloss“, der gesellschaftliche Mittelpunkt der drei Ortsteile.1) Mit der Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes, der beschlossenen Rekultivierung der Tagebaurestlöcher, gemeindeeigenem Bauland und damit der Aussicht auf Wohnen am See und sanften Tourismus gab es beste Voraussetzungen. Die M&M Bau- und Erschließungsgesellschaft mbH wurde aktiv. Wer von wem auf welche Weise von den 28 geplanten Einfamilienhäusern erfuhr, ist nicht mehr vollständig nachzuvollziehen. Meine Familie hatte Luppenau im April 1992 bei einer Radtour besucht, vom Rondell vor der Gaststätte in den in allen Grün-Schattierungen leuchtenden Schlosspark geschaut und festgestellt, wie schön es sein müsste, hier so nahe bei Merseburg an einem See wohnen zu können. Nach dem Sommerurlaub kontaktierte uns eine befreundete Immobilienmaklerin, kurz darauf saßen wir in Frau Lehmanns Bürgersprechstunde und im September vor dem Notar Schlereth in Halle, zusammen mit einer Anzahl von sich neugierig beäugenden Baulandkäufern, die später zu einem großen Teil unsere Freunde und Mitstreiter werden sollten. Im Tagebauloch standen noch Großgerät und schwarzes Grundwasser, als am 13. Februar 1993 die offizielle Grundsteinlegung für die neue Siedlung in Löpitz erfolgte – O-Ton des damaligen Landrates Janka sinngemäß „endlich mal was anderes als nur Einkaufszentren“.2) Fortan gab es also Neu-Luppenauer und zu diesen die argwöhnischen Blicke und skeptischen Meinungen der Alteingesessenen.

Einer der ersten Neusiedler „An der Kastanienallee“, Bernd Lange, war von Anbeginn gut vernetzt. Durch das eine oder andere Gespräch auf den Eigenheimbaustellen, in der Gaststätte „Zum Rittergut“, mit den Feuerwehrkameraden oder einfach am Gartenzaun hatte er schnell Kontakt zu vielen Luppenauern gefunden.  In der Märzausgabe des Gemeindespiegels 1995 konstatierte Bürgermeister Dr. Armin Kramer zum Kinderfasching am 11. Februar, dass dieser „ausschließlich von Bürgern organisiert [war], die niemand auffordern, anregen oder quengeln musste“ und die Namen B. Lange, J. Lange und M. Gilluck waren zu lesen. Man kannte sich inzwischen; Zusammenkommen bei Osterfeuer und Fußballturnier taten ein Übriges.

Die 1994 im Gemeinderat beschlossene denkmalgerechte Rekonstruktion des Schloss Löpitz aus Mitteln des Dorferneuerungsprogramms war auf Zustimmung gestoßen; vor allem, als es auch wirklich sichtbar losging. Aber die Absicht, im Zuge der Renaturierung des Tagebaugebietes für die zu erwartenden Besucher Parkplätze an der Zuwegung zur künftigen Seenlandschaft einzurichten, also auf Ackerland und quasi vor der Haustür, generierte Unbehagen und Widerspruch bei den Neu-Löpitzern als unmittelbar Betroffene aber auch generell im Dorf. Man sprach untereinander aber kaum miteinander; die Kluft zwischen „altem“ Dorf und „neuer“ Siedlung war offensichtlich. Im Frühsommer 1996 trafen sich Hubert Blumentritt, der Wirt des „Rittergutes“, der Tragarther Harald Bude und Bernd Lange mit dem Ziel, eine Form zu finden, diesen Zwiespalt ein Stück zu überwinden in dem Wissen, dass jeder für sich als Privatperson nur wenig bis nichts erreichen konnte. Die Idee der Gründung eines Vereins ward geboren.

Auch Vereinsarbeit musste erst erlernt werden. Mitbürger wurden gebraucht, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen und aktiv mitzuarbeiten, eine Vereinsatzung musste erarbeitet werden, ein Vorstand gewählt.


Auszug aus dem ehem. Gemeindespiegel Juni 1996
Viel Zeit verging, bis „wir wussten, was wir tun müssen um das zu erreichen, was wir wollen.“ – so Bernd Lange. Sachkenntnis zum Thema und große Unterstützung fand man bei der Tragartherin Petra Müller. „Am 06.06.1996 trafen sich … Einwohner der alten und der neuen Siedlung zum Zwecke der Gründung eines Vereins zusammen, welcher das Zusammenleben in der Dorfgemeinschaft fördern soll, der das kulturelle Leben vorantreibt und sich für die Entwicklung unserer Auenlandschaft einsetzt. …Veranstaltungen und alle anderen Aktivitäten sollten so ausgerichtet werden, dass ein größtmöglicher Nutzen für die Dorfgemeinschaft entsteht.“3) Das Protokoll über die „Gründungs- und erstmalige Mitgliederversammlung mit Satzungserstellung und Vorstandswahl des Vereins „Luppenauer Förderverein e. V.“ (Gründungsprotokoll) vom 6. Juni 1996 berichtet über die Wahl von Gertraude Patz zur ersten Vorsitzenden und Jürgen Lange zu ihrem Stellvertreter, zum Kassenwart zunächst Bärbel Pfütze, Petra Müller und Viola Baldeweg als Kassenprüfer, zum Schriftführer Dr. Michael Gilluck, zum Pressewart Bernd Lange. Als Beisitzer des Vorstands fungierten Harald Bude und Hubert Blumentritt. Die erste Mitgliederversammlung des „Luppenauer Fördervereins i. G.“ am 20.06.1996 (14 Mitglieder) verzeichnet u. a. die Wahl Sylvia Königs zum Kassenwart, den Beschluss von Geschäfts-, Finanz- und Wahlordnung sowie zur notariellen Beantragung der Eintragung ins Vereinsregister Merseburg und für den Antrag auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit beim Finanzamt. Der monatliche Mitgliedsbeitrag wurde auf 5,00 DM festgelegt. Gastwirt Blumentritt war bereit, für die Sitzungen bis auf weiteres die Gaststätte zur Verfügung zu stellen. Auf der ersten Vorstandssitzung am 5. Dezember 1996 äußerte Frau Patz aus gesundheitlichen Gründen die Bitte um alsbaldige Ablösung als Vorsitzende. Die Anwesenden waren sich im Klaren darüber, dass „der Erfolg des Vereins wesentlich von der Akzeptanz der ganzen Gemeinde abhängt“ und der Vorstandsvorsitzende „in nicht unwesentlichem Maße auch eine Vermittlerrolle zwischen den drei Ortsteilen…aber auch zwischen der alten und der neuen Siedlung“ übernimmt. Die Nachfolgerschaft wurde diskutiert und der Name Uhlmann fiel. Bei der Vorstandssitzung am 9. Januar 1997, an der als Gast auch Familie Uhlmann teilnahm, wurden konkret sieben Schwerpunkte der künftigen Vereinstätigkeit festgelegt, die in allen Facetten die Förderung des Zusammenlebens der Einwohner aller Ortsteile zum Inhalt hatten. Der Entwurf des Jahresarbeitsplanes beinhaltete u. a. die monatliche für Mitglieder öffentliche Vorstandssitzung, die Mitwirkung bei der Organisation von Osterfeuer und Ostereiersuchen und die Durchführung eines Dorffestes – dies sollte dann am 1. Juni 1997 die Wiederbelebung des Kinderfestes im Schlosspark werden! Auf der Mitgliederversammlung am 30.01.1997 wurde als neuer Vorsitzender Jörg Uhlmann gewählt, Direktor der Sekundarschule Zöschen, mit seiner ebenfalls im Schuldienst tätigen Frau Edith langjährige Wochenendsiedler und künftige Einwohner von Löpitz. Beide sollten in den Folgejahren eine überaus engagierte Rolle im Vereinsleben und in der Gemeindearbeit einnehmen und die Zusammenarbeit im Dorf maßgeblich voranbringen.



Mit jeder monatlichen Vorstandsitzung wurde die Vereinstätigkeit zunehmend qualifizierter und zielorientierter. Der Vorstandsbeschluss Nr. 1/97 vom 05.03.1997 legte die Beitragsfreiheit der Familienmitglieder des eingetragenen Mitglieds fest. Die Ersteintragung im Vereinsregister Merseburg datiert vom 20.05.1997. Vereinsdokumente mit Beitrittserklärung und Vereinslogo wurden erarbeitet, Pflichtaufgaben wie Kontoeröffnung und Haftpflichtversicherung besprochen, im Gemeindespiegel über den neuen Verein informiert, zu einer ersten „Wanderung in den Mai“ eingeladen. Am 13. Juni 1997 erklangen bei einer konzertanten Aufführung der Musikschule Merseburg im Schlosssaal vor 85 Besuchern Melodien aus dem Musical „Cats“. Am 7. September fand ein feierliches Konzert in der Kirche Lössen statt, im Oktober wurde unter Leitung von Frau Uhlmann die erste Fahrradtour mit Quiz in die Aue und Pausenversorgung durch Familie Blumentritt durchgeführt.
Der Förderverein half mit bei der traditionellen Rentnerweihnachtsfeier und lud seine Mitglieder und deren Familien zu einem Weihnachtstreffen am 12.12.1997 in die Gaststätte ein. Das Adventskonzert in der Kirche Lössen am 20.12. unter der Ägide der Evangelischen Kirche war ausverkauft. In seiner „Neujahrsansprache“ am 07.01.1998 berichtete Jörg Uhlmann „über die überwundenen Anfangsprobleme, die zunehmenden Aktivitäten sowie das wachsende Interesse in der Gemeinde.“



Im Protokoll der Vorstandssitzung vom 04.02.1998 ist unter TOP 3 nachzulesen:
"Der angekündigte Rücktritt des Bürgermeisters Dr. Armin Kramer hat Überraschung und Betroffenheit ausgelöst. Wichtigste Frage: Wie geht es weiter? Zusagen an den Verein müssen eingehalten werden… Idee eines Stammtisches im Schloss mit Diskussion: Der Bürgermeister tritt zurück-wie geht es weiter? Veranstalter und Moderator ist der Verein. Herr Blumentritt spricht mit Herrn Dr. Kramer. Nach Zusage und Terminabsprache werden Einladungen an alle verteilt." Im Protokoll der Jahreshauptversammlung am 6.März 1998 heißt es im Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden Jörg Uhlmann: "26.2.98 denkwürdige Veranstaltung zum Thema "Wie wird es in Luppenau weitergehen" große Resonanz, 110 Teilnehmer, war wichtig und notwendig.“ Der Förderverein verzeichnete damals 18 zahlende Mitglieder zuzüglich deren Partner und Kinder und einen Kassenstand per 31.01.1998 von 662,71 DM. Durch die Mitglieder einstimmig beschlossen wurden Satzungsänderungen über die beitragsfreie Mitgliedschaft der Angehörigen sowie in Abänderung des Gründungsprotokolls die Erweiterung des juristischen Vorstands um Schriftführer und Pressewart. Da zu diesem Zeitpunkt Bürgermeister Dr. Armin Kramer bereits seinen Rücktritt erklärt hatte, wurde abgesprochen, alle mündlichen Vereinbarungen mit der Gemeinde künftig schriftlich festzuhalten. Konkret ging es dabei auch um die Nutzung eines Vereinsraumes.

Der vom Vorstand „heiß ersehnte“ Freistellungsbescheid rückwirkend für die Jahre 1997 bis 31.05.2001 erreichte den Verein mit Datum 29.04.1998. Damit war der e. V. auch gemeinnützig und durfte Spendenquittungen ausstellen. Das erste große Spendenprojekt, nämlich eine edle Bank für den Aussichtspunkt am Wallendorfer See (heute Hirschhügel), war am 22. Mai 1998 feierlich auf ihr Fundament gesetzt und keine zwei Wochen später von Unbekannt gestohlen worden! Nur das Messingschild, das wegen falscher Schrauben nicht angebracht konnte, erinnert noch an diese Aktion mit einem Ausgang, der uns damals sehr erschütterte; heute würden wir nicht mehr auf eine solche Idee kommen!

Die neue Bürgermeisterin von Luppenau, Frau Ines Kramer, konnte bei der Vorstandssitzung des Vereins am 3. Juni 1998 offiziell begrüßt werden. Mit ihrer Unterstützung fand am 27. Juni ein außerordentlich gut gestaltetes und besuchtes Kinderfest im Schlosspark Löpitz statt, dass allen Beteiligten nicht nur großen Spaß machte, sondern dank lokaler Sponsoren auch mehr als 2000 DM für eine neue Rutsche für den Spielplatz einbrachte.


Unternehmungen und Aktivitäten des Luppenauer Förderverein e. V. sind in vielen Berichten im Gemeindespiegel und später im Kurier und in den Protokollen der Vorstandssitzungen nachzulesen. Was am 6. Juni 1996 als Zusammenschluss engagierter Bürgerinnen und Bürger aus Tragarth, Löpitz und Lössen, aus „altem“ Dorf und „neuer“ Siedlung, begann, entwickelte sich zu einer tragenden Säule für kulturelle, soziale und gemeinschaftliche Vorhaben. Gute Ideen wurden entwickelt und Projekte bearbeitet, Vieles verworfen und ein Großteil verwirklicht. Wir blicken mit Zuversicht und doch auch ein wenig Skepsis auf das, was noch kommen wird. Heute haben wir 64 Mitglieder; diese Zahl stagniert. Möge dieser Beitrag ein Zeichen der Wertschätzung und des Dankes an alle Vereinsmitglieder, an alte und neue Unterstützer und Freunde sein, an die Ortsfeuerwehr und den Jugendclub, an den Ortschaftsrat und die Einheitsgemeinde Schkopau. Mag er aber vor allem – und das liegt uns und mir persönlich als Vorsitzendem sehr am Herzen - Interesse fürs Mittun wecken bei all jenen jungen Familien, für die Luppenau zur Heimat geworden ist. Ein Verein lebt nur vom Engagement vieler Menschen. Ob bei Veranstaltungen, bei der Traditionspflege oder bei der Suche nach neuen Ideen – jeder ist herzlich willkommen. Kommen Sie am 22. und 23. August zu unserem Heimatfest im „Waldstadion“ von Löpitz, schauen Sie sich um, reden Sie mit uns!

Luppenau, im Juni 2026

Dr. Michael Gilluck
Vorsitzender des Vorstandes

Quellenverzeichnis:

  1. Festschrift 50 Jahre Luppenau, Ines Kramer: Festrede 1. Juli 2000
  2. Gemeindespiegel Vgm Kötzschau März/1993
  3. Horst Schöngraf: Zuarbeit für die Festansprache von Jörg Uhlmann anl. 20 Jahre LFV am 30.09.2016

Fotos: Luppenauer Förderverein e. V.